Sensibelchen

Ich bin letzte Woche ein Sensibelchen gewesen.
Täglich bin ich am Bahnhof. Täglich wird man angeschnorrt. Oft sieht man direkt, wofür die Leute das Geld wollen.

Ich bin eigentlich der Meinung, dass in Deutschland niemand auf der Straße leben muss…und ich glaube auch nicht, dass jemand wirklich betteln gehen muss…

Letzte Woche sprach mich ein Mann an der Haltestelle an (nicht nur mich), der sagte: „Ich möchte kein Geld. Ich wollte einfach nur fragen, ob Sie vielleicht etwas zu essen für mich haben…“
Nein. Hatte ich nicht. Hatte ich wirklich nicht. Und es brach mir das Herz.
Ich behielt die Szene im Auge. Hätte niemand etwas zu essen gehabt, hätte ich auf meinen Bus verzichtet und hätte ihm was zu essen gekauft. Ein junges Mädel hatte dann aber noch einen Streuseltaler, den sie ihm anbot.
Er aß ihn sie genussvoll…dass es mir die Tränen in die Augen trieb..
So viel Glück wegen eines Streuseltalers. Mit beiden Händen hielt er ihn fest.
Ich weiß nicht, wie viele Minuten vergingen, bis er ihn aufgegessen hatte…aber…mir wurde bewusst, wie gut es mir geht.
Wie oft schmeiße ich hier etwas zu essen weg?
Wie oft esse ich nicht auf in der Kantine?
Wie oft hole ich mir was am Bahnhof und schlinge es in 3 Bissen runter?

Und so saß ich fast heulend im Bus, weil mir dieser Mann so unsagbar leid tat….