Sensibelchen

Ich bin letzte Woche ein Sensibelchen gewesen.
Täglich bin ich am Bahnhof. Täglich wird man angeschnorrt. Oft sieht man direkt, wofür die Leute das Geld wollen.

Ich bin eigentlich der Meinung, dass in Deutschland niemand auf der Straße leben muss…und ich glaube auch nicht, dass jemand wirklich betteln gehen muss…

Letzte Woche sprach mich ein Mann an der Haltestelle an (nicht nur mich), der sagte: „Ich möchte kein Geld. Ich wollte einfach nur fragen, ob Sie vielleicht etwas zu essen für mich haben…“
Nein. Hatte ich nicht. Hatte ich wirklich nicht. Und es brach mir das Herz.
Ich behielt die Szene im Auge. Hätte niemand etwas zu essen gehabt, hätte ich auf meinen Bus verzichtet und hätte ihm was zu essen gekauft. Ein junges Mädel hatte dann aber noch einen Streuseltaler, den sie ihm anbot.
Er aß ihn sie genussvoll…dass es mir die Tränen in die Augen trieb..
So viel Glück wegen eines Streuseltalers. Mit beiden Händen hielt er ihn fest.
Ich weiß nicht, wie viele Minuten vergingen, bis er ihn aufgegessen hatte…aber…mir wurde bewusst, wie gut es mir geht.
Wie oft schmeiße ich hier etwas zu essen weg?
Wie oft esse ich nicht auf in der Kantine?
Wie oft hole ich mir was am Bahnhof und schlinge es in 3 Bissen runter?

Und so saß ich fast heulend im Bus, weil mir dieser Mann so unsagbar leid tat….

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3 Kommentare zu “Sensibelchen

  1. Uh, da bin ich auch oft hin- und hergerissen. Leider scheint es so zu sein, dass in Deutschland eben doch Leute auf der Straße leben. Ich glaube, manchmal ist es gut, mit denen einfach mal zu sprechen. Dann werden sie Dir schon erzählen, warum sie nicht im Obdachlosenheim sind. Ich muss aber gestehen, dass ich mich auch noch nie getraut habe, das zu tun.
    Und wie oft gehe ich an „Bettlern“ vorbei ohne ihnen etwas zu geben, auch weil ich meine eigenen Schulden im Kopf habe. :/

    • Ich kenne selber jemanden, der hätte Hilfe vom Amt haben können, sie aber aus falscher Scham nicht wollte.
      Ich gebe auch nicht immer was. Ich sehe nämlich nicht ein, ihre Süchte zu unterstützen und schon minimiert sich ja der Kreis…
      In Berlin hatten wir mal eine Wagenradgroße Pizza (noch warm) über, die wir geben wollten…er wollte sie nicht, er wollte Geld…
      Seit den ganzen Erlebnissen dort, bin ich da, wenn es um Geld geht, etwas egoistischer.
      …und wenn man mir erzählt, man bräuchte das Geld für die Obdachlosenunterkunft… Ne Sorry, verarschen kann ich mich allein.
      Bei dem war es halt anders. Weil er Geld ablehnte und nur Nahrung wollte.
      Das ist aber in 5 Jahren 1x vorgekommen.

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