Aussprache nach 10 Jahren

Mein liebster Arbeitsfreund war eine ganze Zeitlang mehr für mich.
Es hat sich schleichend entwickelt. Kollegen. In einem Großraumbüro. Wir beide ungefähr in einem Alter als Einzige.
Ich fuhr morgens mit meinem Freund zur Arbeit und fing um 6h an. M. auch. Und so frühstückten wir zusammen.
Als meine andere Essensbegleiterin die Firma wechselte, fing ich an, mit M. essen zu gehen. Das muss so das Jahr 2000 gewesen sein.

Firmenfeier im kleinen Kreis – Dienstjubiläum eines Kollegen. Da hat M. irgendwie meine Handynummer rausbekommen und schrieb mich an, wo ich abgeblieben wäre – wir fuhren mit mehreren Autos zur Feier und mein Chef und ich brauchten was länger.

Und plötzlich texteten wir recht viel. Ich war seit 4 Jahren in einer Beziehung. Wir zogen gerade zusammen. Alles gut.
Ich merkte viel zu spät, dass ich für M. mehr wurde. Er schwor darauf, dass ich sein passender Deckel bin und er sich damit abfinden muss, dass er vielleicht eine Partnerin findet, aber keine, die mir das Wasser reichen konnte.
Naja. Irgendwann ging es mir in meiner Beziehung überhaupt nicht mehr gut. 2002 war das. Und M. war da. Hörte mir zu. Schmierte mir Honig um den Mund. Ihr kennt das..;-) Wir texteten. Es fiel uns schwer, aufzuhören. Er fehlte mir.
Im Büro munkelte man eh schon, da wäre doch was. Klar. Weil wir jeden Tag zusammen essen gehen. Voll das Indiz. Auf jeden Fall.
Dann kam der Tag, an dem er erfuhr, dass er nicht länger übernommen wird. Boahr, mir hat’s das Herz zerissen.
Und dann kam sein letzter Tag. Und ich fühlte sehr genau, wo ich hingehörte. ABER…ich habe den Absprung aus meiner anderen Beziehung nicht geschafft. Außerdem war M. so verschlossen und ich bin jemand, der auch mal hören muss „Ich liebe dich“. Bzw der Typ war ich. Unsicher halt. Und M…war nicht so der Mann der großen Worte. Ich hatte Sorge, dass das mit uns eh nix wird.
Wir verabredeten uns nochmal am Getränkeautomaten. Holten ne Cola light. Und dann…küsste er mich überfallartig und sagte „Auf den Tag hab ich so lange gewartet.“ und wir marschierten zurück in’s Büro.
Und dann waren wir im Büro getrennt. Trafen uns in seinem Urlaub nochmal. Und ich weiß noch genau, dass ich mit Bedacht die Unterwäsche aussuchte *schäm*. Er holte mich ab, es war schweinewarm und er meinte „Wo fahren wir denn jetzt hin?“ „Keine Ahnung“ „Na,dann fahr ich einfach mal“ Zu sich nach Hause. Tja. Und was dann passierte, könnt ihr euch denken.
Mein Chaos war perfekt. Wir blieben in Kontakt. Trafen uns, wenn wir beide bei der Abendschule sein sollten…
Und dann kam Weihnachten 2002. Ich war bei ihm, sein Geschenk abgeben und er sagte zu mir: „Hey, ich hab auch ein Geschenk für dich! Ich fange im Januar wieder bei euch an“ Ja, wie geil ist das denn?
Im Februar hatten wir einen Autounfall. An einem Tag, an dem wir uns nicht morgens vor der Arbeit getroffen haben. Er hat mich gerammt. Beide Wagen Totalschaden.
Und plötzlich verlor er die Geduld, um mich zu kämpfen. Lernte wen anders im Skiurlaub kennen. Furchtbar.
Und meine Beziehung war ohnehin vor dem Aus.

Bis zur Trennung dauerte es noch ein bisschen…aber dann saßen wir in der Mittagspause zusammen und ich weiß noch,d ass ich ihm erzählte, dass c ausgezogen ist. Und dabei dachte ich „Hey, jetzt bin ich frei für dich“. Und da sagt er zu mir „Ja…und so wie du grade was beendet hast, baue ich mir gerade was auf!“ WTF!!! Wo kam die denn jetzt her?
Furchtbar. Er erzählte noch, dass er nicht glaubt, dass das was für die Ewigkeit ist. Ne, wie auch – ich war doch sein Deckel.
Naja.
Bogen überspannt.
Mittlerweile hat er 2 Kids, ist verheiratet.
Ich weiß noch, wie ich träumte,d ass ich in seine Hochzeit reinplatzte. Wie ich heulte, als mich das Foto von seinem ersten baby erreichte. Man ey.
So vieles so unausgesprochen.

Bis Freitag.
Und n paar Glas Wein. Wir kommen aus der Fotobox und albern noch rum „So, können wir die Gerüchteküche wieder einheizen“. Und damit war der Bogen zu früher gespannt. Es sprudelt aus mir raus – wie beschissen ich seine Hochzeit fand. Wie er mich abserviert hat, als für mich klar war, wir finden zueinander. WIe weh mir seine Kinder taten. Und er war völlig vor den Kopf gestoßen.
Wie jetzt? Echt?
„Man M. für mich war klar, dass wir zusammen gehören…und dann biegst du mit T um die ecke…Und ratzfatz heiratet ihr und kriegt Kinder und baut n Haus“ „Ja,das war T. Torschlusspanik“. Tjoar.
Er hat übrigens noch gesagt, dass er sich sehr gut vorstellen kann, wie es mir bei seiner Hochzeit ging. Meine hat ihm wohl auch nicht sonderlich gut gefallen 😉
Unsere Zeit ist rum. Klar. Ich möchte ihn auch gar nicht mehr.
Ich bin glücklich in meiner Beziehung. Bei ihm ist es nicht ganz so einfach.
Als ich im Bett liege, bekomme ich noch eine SMS – ich hätte sein gesamtes Weltbild soeben zerstört. Sorry. Tut mir leid. Wollte ich nicht. Aber…es musste offensichtlich raus. Ich musste ihm sagen, wie es mir ging.
Ich mag ihn. Ich hab ihn lieb. Er ist mein freundschaftlicher Anker. Ich bin sein Ruhepol. Alles gut.
Wir hatten unsere Chance und haben sie nie genutzt.
Nicht so richtig, mein ich.
Ich war untreu wegen ihm. Er war untreu wegen mir.
Ich weiß noch nicht so richtig, ob’s Montag mittag in der Pause nicht komisch wird zwischen uns. Falls wir uns sehen. Ich habe ein Contract-Management Seminar – vielleicht sehen wir uns erst Dienstag Mittag auf dem Weg zur Betriebsversammlung.

PS: Die schönste Anekdote ist übrigens, dass er im Sommer 2002 auf meinem 23.5 Geburtstag auftauchte – mit einer roten Rose. In die gemeinsame Wohnung von mir und C.

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6 Kommentare zu “Aussprache nach 10 Jahren

  1. Solche Gespräche müssen einfach sein – manchmal eben 10 Jahre später. Ich hoffe, er bekommt sein Weltbild wieder gerade gerückt und ihr habt weiterhin eure gemeinsamen Mittagspausen!

    Grüße

    • Ja – das hoffe ich wohl auch! Hätte ihm heute eigentlich gern ne SMS geschickt. Doof, wenn man es sich nicht traut, weil man weiß, seine Frau dreht dann am Rad (ohne unsere Geschichte zu kennen).
      Er hat auch das Foto nicht mitgenommen, aus der Fotobox, sondern mir in die Jackentasche gesteckt, damit es seine Frau nicht findet. Hier liegt es auf der Kommode im Flur…
      Ich bin auf jeden Fall froh, dass so viel ungesagtes jetzt einfach mal gesagt wurde.

  2. Mensch, bei dir geht´s ja gerade gefühlstechnisch drunter und drüber. Erst der eine Ex, dann M. – was eine Hochzeit so alles bewirken kann. Ich denke, jetzt wo alles gesagt ist, kann es nur noch besser werden.

    • …ne, eher, was so ein bisschen Wein bewirken kann. Ich glaube, dieses Gespräch war lange überfällig. Es war aber auch, soweit ich mich erinnere, die erste gemeinsame Feier seit Jahren. Auf dem Sommerfest gibt’s keinen Alkohol, da auf Firmengelände und Weihnachtsfeier haben wir immer getrennt, weil wir in verschiedenen Bereichen feiern. Privat laden wir uns nicht ein.
      Letztes Jahr auf der gemeinsamen Weihnachtsfeier war ich nicht. Ich glaube, sonst wäre es da schon soweit gewesen.
      Ich habe, vor seiner Hochzeit, lange mit mir gekämpft, ihm einen Brief zu schreiben. Fand das aber saumäßig unfair von mir.
      Und ich glaube..es war jetzt immer noch ein bisschen unfair. Weil’s ihn wirklich aus den Latschen gehauen hat. Ich hab das ja auch merken können… Er war total ungläubig.

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